Close Look: Aktien aus Schwellenländern geben die Richtung vor
Wie ist die Situation?
Aktien aus Schwellenländern (EM) haben einen starken Jahresstart hingelegt und die Indizes der USA und anderer Weltmärkte übertroffen. Der MSCI EM Index legte im Januar um fast 9 % zu, während der S&P 500 nur um 1,4 % wuchs. Dabei hatte der MSCI EM-Index erst im letzten Jahr um 31 % zugelegt und damit seine beste Performance seit 2017 verzeichnet. Im Januar 2026 kletterte der Gesamtwert des MSCI-EM-Index um über 1 Billion US‑Dollar auf 28 Billionen US‑Dollar, nachdem er das Jahr 2025 mit 21 Billionen US‑Dollar begonnen hatte.
Schwellenländeraktien haben amerikanische und internationale Indizes übertroffen
Quelle: Bloomberg 19.02.2026, Index (31.12.2024 = 100), Netto-Gesamtrendite in USD
Was ist der Hintergrund?
Für das überdurchschnittliche Abschneiden von Schwellenländeraktien gibt es zwei Hauptgründe: Die relativen Währungsschwankungen und die Unternehmen, die in den jeweiligen Indexbestandteilen vertreten sind. Schauen wir uns zunächst die Währungen an. Da in diesem Jahr mit mehreren Zinssenkungen der US-Notenbank gerechnet wird, dümpelt der US-Dollar auf einem Vier-Jahres-Tief vor sich hin. Diese Schwächephase folgt auf ein Jahrzehnt des starken Dollar, der zuletzt durch höhere US-Zinsen von zwischen 2022 und 2025 angetrieben wurde.
In den Schwellenländern haben die Zentralbanken in den letzten Jahren die Inlandszinsen über ihre Inflationsraten angehoben, um ihre eigenen Währungen attraktiver zu machen und die jahrelangen Kapitalabflüsse in den Dollar einzudämmen. Dieses Kapital kann stattdessen vor Ort investiert werden, was den Aktien- und Anleihemärkten der Schwellenländer Auftrieb verleiht.
Schauen wir uns jetzt an, welche Rückschlüsse die Komponenten des MSCI-EM-Index auf seine starke Performance zulassen. Ein Großteil des Index entfällt auf Aktien taiwanesischer und koreanischer Chiphersteller. Da KI‑„Hyperscalern“ wie Amazon und Microsoft dieses Jahr Investitionen von rund 660 Milliarden Dollar planen, können sie enorme Vorteile erzielen.
Zusätzlich zum asiatischen Technologiesektor hat der massive Höhenflug des Goldpreises und anderer Edelmetalle im letzten Jahr die Gewinnprognosen der rohstoffreichen Indexkomponenten angekurbelt, wobei Südafrika und Lateinamerika als Paradebeispiele dienen.
Warum ist das wichtig?
Internationale Aktienindizes hatten sich stark auf US-amerikanische und Technologieaktien konzentriert. Die Aussichten für KI, wie diese enormen Investitionen und die Einführung neuer KI-Arbeitsinstrumente, haben den US-Aktienmärkten einen Volatilitätsschub beschert. Besonders ausgeprägt war die Schwäche im Softwaresektor.
Die erwartete Ausweitung des Gewinnwachstums außerhalb des US-Technologiesektors veranlasste die Märkte indes dazu, „dem Geld zu folgen“. Dies kam den Value-Sektoren der Aktienmärkte zugute, wobei Schwellenländeraktien besonders gefragt waren. Die Anleger sind zunehmend überzeugt von den Vorteilen eines höheren Gewinnwachstums und eines niedrigeren Bewertungsniveaus bei internationalen Qualitäts- und Substanzwerten (ohne USA).
Diversifizierung in Aktion
Durch eine Diversifizierung an den Aktienmärkten und in den Regionen, eine breitere Branchenstreuung und regionale Exposure dürften Anleger sowohl von dieser Steigerung der Gewinne als auch vom Thema „Anfechtung der US-Dominanz“ profitieren. Dieser Vorteil zeigt sich an den Aktienmärkten der Schwellenländer, wo die Gewinndynamik am Technologie- und Rohstoffsektor Fahrt aufnimmt.
Unsere Einschätzung
Das aktuelle Umfeld könnte zu einer höheren Aktienvolatilität führen als im letzten Sommer zu beobachten war. Anleger sollten mit größeren Kursschwankungen rechnen.
Wir sind der Ansicht, dass die Diversifizierung nach Regionen, Anlagestil und Branchen weg von US- und Wachstumsaktien, oder in hoch bewerteten Unternehmen mit starken künftigen Gewinnprognosen eine Möglichkeit ist, diese Kursbewegungen abzufedern. Wir bevorzugen ein Engagement in Aktien aus Europa, Schwellenländern und Japan.
Zudem kann eine Allokation in Gold im Hinblick auf geopolitische Risiken, Haushaltsdefizit- und Inflationsrisiken eine bessere Diversifizierung als eine Allokation in Anleihen bieten, wodurch sich die Robustheit des Portfolios erhöht.
2026 könnte attraktive Chancen bieten, und die Diversifizierung dürfte in einem Anlageportfolio eine besonders wichtige Rolle spielen.